Welcher Blutdruckwert ist wichtiger: der obere oder der untere?

Beide Werte sind wichtig. Für die Einordnung reicht es, wenn einer von ihnen eine Grenze erreicht. Deshalb können sowohl 140/70 als auch 128/92 auffällig sein.

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Der obere und der untere Blutdruckwert beantworten unterschiedliche Fragen. Für die Einordnung werden in Deutschland beide berücksichtigt. Ist nur einer von ihnen erhöht, kann die gesamte Messung trotzdem in einen höheren Bereich fallen.

Was bedeutet der obere Wert?

Der obere Wert heißt systolischer Blutdruck. Er entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt. Auf dem Blutdruckmessgerät steht er meist an erster Stelle oder neben der Abkürzung SYS.

Mit zunehmendem Alter steigt der systolische Wert häufig stärker an als der diastolische. Das macht ihn besonders relevant, aber nicht zum einzigen Wert, der zählt.

Was bedeutet der untere Wert?

Der untere Wert heißt diastolischer Blutdruck. Er beschreibt den Druck in den Gefäßen während der Entspannungsphase des Herzens. Auf dem Display steht er meist an zweiter Stelle oder neben DIA.

Die Deutsche Herzstiftung betont, dass in Deutschland beide Werte in die Diagnose einbezogen werden. Ein unauffälliger oberer Wert gleicht einen erhöhten unteren Wert nicht aus.

Warum ein einziger erhöhter Wert ausreicht

Die von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie veröffentlichte ESC-Pocket-Leitlinie 2024 setzt für Heimmessungen die Bluthochdruckgrenze bei 135/85 mmHg an. Das bedeutet: systolisch ab 135 oder diastolisch ab 85.

Ein Heimwert von 140/70 liegt damit wegen des systolischen Werts über der Grenze. Bei 128/92 ist der diastolische Wert ausschlaggebend. Der Blutdruckrechner folgt derselben Regel.

Die beiden Beispiele dürfen nicht miteinander verrechnet werden. Weder die Differenz zwischen oberem und unterem Wert noch ein Mittelwert aus beiden Zahlen ersetzt die getrennte Einordnung. Systole und Diastole werden als Paar gespeichert und in einer Messreihe jeweils separat gemittelt.

Ist 140 zu 70 ein guter Blutdruck?

Nein, nicht als Heimmessung nach der europäischen Referenz. Der obere Wert liegt über der Grenze, auch wenn der untere Wert unauffällig ist. Eine einzelne Messung stellt trotzdem keine Diagnose dar.

Setzen Sie sich ruhig hin und messen Sie erneut. Notieren Sie beide Ergebnisse. Für die ärztliche Einordnung ist eine Reihe korrekt durchgeführter Messungen hilfreicher als der höchste Einzelwert.

Was gehört ins Tagebuch?

Notieren Sie jedes Mal beide Blutdruckwerte. Dazu kommen Datum, Uhrzeit und Herzfrequenz. Wenn etwas ungewöhnlich war, etwa Stress oder körperliche Belastung kurz vor der Messung, ergänzen Sie eine kurze Notiz.

Der Blutdruck-Durchschnittsrechner mittelt den systolischen und den diastolischen Wert getrennt. Blutdrucktagebuch führen erklärt, wie Sie eine Messwoche vorbereiten.

Schauen Sie beim Vergleich zweier Zeiträume ebenfalls auf beide Durchschnittswerte. Wenn nur der obere Wert sinkt, der untere aber steigt, lässt sich die Veränderung nicht sinnvoll mit einem einzigen Wort zusammenfassen. Ein vollständiger Bericht lässt beide Reihen sichtbar und gibt der Arztpraxis den nötigen Kontext.

Wann sehr hohe Werte dringend werden

Die deutsche Patienteninformation zur Nationalen VersorgungsLeitlinie spricht bei plötzlich über 180/110 mmHg gestiegenen Werten von einer Blutdruckentgleisung. Bewahren Sie Ruhe und messen Sie nach etwa 30 Minuten erneut. Bei starken Beschwerden oder großer Unsicherheit holen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Bei Atemnot, Brustschmerzen, Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Krampfanfällen oder Bewusstlosigkeit rufen Sie den Rettungsdienst unter 112. Ohne akute Notfallzeichen erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

BP Diary speichert beide Blutdruckwerte mit Datum und Uhrzeit. Sie können Notizen ergänzen, den Verlauf ansehen und für einen gewählten Zeitraum einen PDF-Bericht erstellen.

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